C5 Technik

Drive a legend
Corvette

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Der amerikanische Traum vom Autofahren wird Wirklichkeit, wenn man die neue Corvette faehrt. Die Anleihe am europaeischen Design der neunziger Jahre hat sich gelohnt. Fahrwerk und Ausstattung sind ja schon seit laengerer Zeit bei uns "eingebuergert".

Die US-Sportwagenlegende Corvette setzt ein neues, auffaelliges Lebenszeichen. Fuer den Modelljahrgang 97 wurde der von einem neuen Achtzylindermotor angetriebene Zweisitzer ein voellig neues, fast italienisch anmutendes Design verpasst.

Seit dem Debuet der ersten Corvette im Jahr 1953 ist dies die fuenfte Generation eines Autos, das den American way of driving gepraegt hat. Die neue Corvette ist weit mehr als die Modifikation eines bewaehrten Konzepts. Obwohl die klassische Konfiguration zweisitziges Coupe mit herausnehmbarem Dach, vorn eingebauter Achtzylindermotor und der Heckantrieb beibehalten wurde, ist die neue Corvette eine komplette Neukonstruktion.

Unter der aerodynamischen Kunststoffkarosserie, die Aehnlichkeiten mit in Italien produzierten Sportwagen nicht verleugnen kann, verbirgt sich ein voellig neu konzipierter Stahlrahmen mit einer um das Vierfache gesteigerten Verwindungssteifigkeit. Der Einstieg wurde bequemer, und ein erheblich verbessertes Platzangebot im Innenraum wartet auf die Passagiere. Der Kofferraum, zugaenglich durch eine grosse Heckklappe, die sich bedingt durch ihre Groesse leider etwas verwindet, ist fast doppelt so gross wie beim Vorgaenger, weil man auf das Reserverad und einen Wagenheber, dank der neuen, von Goodyear entwickelten, Notlaufraeder getrost verzichten konnte.

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Das Interieur mit seinen elektrisch verstellbaren Ledersitzen ist funktionell und schaut recht exklusiv aus. Die Rundinstrumente, in schwarz und weiss gehalten, lassen sich gut ablesen und die Bedienungsschalter sind nicht nur leicht zu erreichen, sondern auch einfach zu bedienen.

Die Serienausstattung laesst kaum Wuensche offen: Eine Memory-Speicherung fuer die Sitzeinstellung wird ebenso serienmaessig angeboten wie ein hochwertiges BOSE-Soundsystem und eine fuer Fahrer und Beifahrer getrennt regulierbare, elektronische Klimaanlage. Auch gehoeren Airbags fuer Fahrer und Beifahrer, Seitenaufprallschutz in den Tueren, ABS, Antriebsschlupfregelung und Hinterachs-Sperrdifferential zur Serienausstattung.

Die fuer einen Sportwagen wichtige Gewichtsverteilung erreicht den idealen Wert von jeweils 50 Prozent auf Vorder- und Hinterachse. Erzielt wurde dies durch die bei der Corvette erstmals angewandte Transaxle-Bauweise, bei der das Viergangautomatik- Getriebe, und ab 1998 ein wahlweise manuell geschaltetes Sechsgang-Getriebe, nicht am Motor angeflanscht ist, sondern mit dem Hinterachsgetriebe eine Einheit bildet.

Gemeinsam mit dem neukonstruierten Fahrwerk, mit doppelten Querlenkern an Vorder- und Hinterachse, ergibt sich ein sicheres, auch bei hohen Kurvengeschwindigkeiten neutrales und gut kontrollierbares Fahrverhalten. Geht man mit der Corvette etwas sportlicher um, so kann es schon mal passieren, dass das Heck zwar nicht aprupt, aber unangemeldet seine Aufwartung macht und die Tendenz auszubrechen gegenueber der guten Kinderstube die Oberhand behaelt.

In solchen Faellen empfiehlt es sich, den Gasfuss anzuheben und mit der exakten Servolenkung die Corvette wieder in die gewuenschete Bahn zu lenken. Bei den Testfahrten gerieten wir nicht einmal ob dieses fordernden Fahrverhaltens der neuen Corvette in respektvolles Verzuecken. Ein echter Sportwagen verlangt eben auch vom Fahrer Kondition und Verantwortungsbewusstsein. Im Alltagsverkehr dagegen ist die Corvette zahm wie ein Corsa. Gutmuetig und ruckfrei schleicht sie durch enge Gassen, zuckelt gemuetlich auf der Landstrasse und gallopiert genuesslich auf der Autobahn.

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Der V-Achtzylindermotor der neuen Corvette erscheint mit seinen 5,7 Litern Hubraum auf den ersten Blick wie ein alter Bekannter. Tatsaechlich aber hat Chevrolet den beruehmten Small block-V8 weitgehend neu konstruiert.

Erstmals bestehen nicht nur die Zylinderkoepfe, sondern auch der Motorblock aus Aluminium, der Ansaugtrakt mit seinen exakt gleich lang gehaltenen Kanaelen wird aus Kunststoff gefertigt, die vom elektronischen Motormanagement gesteuerte Zuendung besitzt nun eine Einzelzuendspule fuer jeden Zylinder. Der neue Motor mit der Bezeichnung LS1 ist der staerkste Chevrolet Small block, der je in Serien gebaut wurde: Er leistet 253 kW/344 PS und liefert bei 4.200 min ein eindrucksvolles Drehmoment von 483 Newtonmetern. Genug, um in jeder Situation ausreiched Kraft zur Verfuegung zu haben.

Damit gehoert die neue Corvette zu den schnellsten Sportwagen der Welt, dessen Fahrleistungen auch den Vertretern italienischer Nobelmarken in nichts nachstehen: Die Corvette beschleunigt in fuenf Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und erreicht eine Hoechstgeschwindigkeit von 274 km/h, steht zumindets im Prospekt - angesichts der Motorleistung im Alltagsverkehr glauben wir das auch, ohne es nachzupruefen.

Fuer ein besseres Raumgefuehl sorgt der sehr viel groessere Fussraum. Auf der Beifahrerseite wurde er 16 Zentimeter breiter, auf der Fahrerseite sind es 7,8 Zentimeter. Das erlaubte den Einbau einer Fussstuetze fuer den linken Fuss, die vor allem sportliche Fahrer schaetzen werden.

Die schalenfoermigen Sitze, die gute Seitenfuehrung bieten, sind serienmaessig mit Leder bezogen, der Fahrersitz kann elektrisch nicht nur in Laengsrichtung, sondern auch in der Hoehe verstellt werden.

Die Gestaltung der Armaturentafel fuegt sich mit der strengen Zweiteilung der Sektionen fuer Fahrer und Beifahrer nahtlos in die Corvette-Tradition ein. Unter einer gemeinsamen Abdeckscheibe finden sich klar gestylte Rundinstrumente mit schwarz-weissen Skalen. Die Corvette verfuegt auch ueber ein Digitaldisplay, auf dem der Fahrer den in den einzelnen Reifen herrschenden Luftdruck abrufen kann. Ausserdem liefert dieses Display eine Fuelle weiterer Informationen.

Text: Christian Boehm
Fotos: Michael Andrusio